ZURÜCK IN PIRI

ZURÜCK IN PIRI

Es war schon gegen Ende Oktober (25.), als wir mit Sack und Pack in Montevideo landeten. Von einem beflissenen Beamten wurden wir argwöhnisch beäugt, als wir uns mit fast hundert Kilo Gepäck dem Zoll näherten. Nach dem Durchleuchten unserer Habseligkeiten wurden wir prompt heraus gepflückt. Bereitwillig öffneten wir eine unserer sorgfältig verknüpften Taschen, die Ersatzmaterial für unsere KAMA* in transit enthielt. Schläuche, Ventile, Auszugschienen für den Kühlschrank etc wurden flüchtig durchwühlt und mit unseren in kläglichem Spanisch vorgebrachten Erklärungsversuchen abgeglichen. Schnell wurde es diesem Beamten zu bunt und mit einem strahlenden Lächeln liess er uns passieren. «Lieber Ihr geht in diese kalten Regionen als ich» und war wahrscheinlich froh, zu Hause bleiben zu dürfen.

Frühling in Montevideo

In Piriapòlis wurden wir von Rita und Daniel am Bus abgeholt. Sie halfen uns das Gepäck zur und auf die KAMA* zu bringen, die noch immer an Land stand. Da man in Uruguay so aufgebockt nicht auf dem Schiff wohnen darf, mussten wir die folgenden Nächte im Hotel verbringen.  Wir kannten das Hotel noch von der Zeit, als wir KAMA* aus dem Wasser nahmen. Wir freuten uns nicht wirklich. Die meiste Zeit verbrachten wir ja aber eh auf dem Schiff.

Unser Hotel

Hotel Suizo stand nicht mehr zur Auswahl

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Aussicht über den Hafen

und Richtung Stadt

 

 

 

 

 

 

 

Es gab viel zu tun. Aus den USA sind ein neues Fenster, Anker, die Unterwasserfarbe und sonstiges Material eingetroffen. Dani half uns, nein, wir halfen Dani das neue Fenster auf unserem Schiff einzubauen, die Kühlschrankauszüge zu ersetzen und zu richten. Tausend Sachen hat er uns geholfen und wir waren noch so froh, einen  kompetenten Fachmann als Freund auf unserem Schiff zu haben.

Die neuen Anker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann war im Zolllager des Flughafens noch das von uns in Deutschland bestellte Bananaboot eingetroffen. Nur, wie sollte das über alle die bürokratischen Hürden zu uns aufs Schiff kommen? Anna von der Lufthansa hat alles für uns organisiert. Wow, war das ein Glück! Eines Tages läutete bei uns das Telefon und so wie wir begriffen haben, wartete der Despachante mit dem Boot vor dem kleinen Zollbüro im Hafen. Eiligst begaben wir uns dorthin und tatsächlich, hier war es, unser neues kleines Beiboot. Aber halt! Zuerst musste das durch den Zoll. Da das Büro geschlossen war, musste zuerst ein Zollbeamter organisiert werden. Nach längerem kam wirklich eine Beamtin mit dem guten Willen, die Zollabfertigung vorzunehmen. Wahrscheinlich stand sie das erste Mal vor einer solchen Aufgabe. Die Probleme begannen bei ihr schon viel weiter vorn. Ein Computer braucht Strom und mit einem PC und Telefon aus dem Dampfzeitalter ist es schwierig, sich via Internet mit dem zentralen Büro zu verbinden. Morgen wieder vorbeikommen, offerierten wir. Auf keinen Fall, das musste jetzt an diesem Nachmittag durchgezogen werden. Nach dem Ausfüllen von gefühlten zweihundert Formularen, jedes viermal mit unserem kreisrunden Stempel der KAMA* versorgt, konnte das Zollsiegel von der Banane entfernt werden und das Boot auf Kamastern gebracht werden. Uff.

in diesem Paket

die ersehnte Banane

 

 

 

 

 

 

 

 

montiert an der Reling

aber auch der neue Anker macht sich prächtig

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir waren viel zu Fuss unterwegs. Es war einfach schön draussen zu sein. Frühling an allen Ecken und Enden. Was da alles blühte! Oleander, Hibiskus, Bougainvillea, die Wiesen voller Blumen, blühende Bäume, die einen wunderbaren Duft verbreiteten. Tagsüber wärmte die Sonne kräftig auf, es war angenehm mild. In der Luft Schwirren und Summen, Zirpen und Brummen. Hunderte Schwalben fütterten bereits ihre Jungen. Auch die jungen Seelöwen tollpatschten schon im Hafen herum oder schwammen mit der Mutter durchs Hafenbecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Mama auf der Couch herumlümmeln oder unter KAMA* Schatten suchen

 

 

Abends, nachts ein Riesengequake aus den mit Wasser gefüllten Strassengräben. Das war so ein komisches Geräusch. Eher hätte man eine Kuhherde denn Frösche erwartet. Untrügliches Zeichen von Frühling auch das notorische, noch von zu Hause gewohnte, Rattern der Rasenmäher, die wie die Hunde im Quartier ihren Laut von Garten zu Garten weitergeben, so dass es um jede Strassenecke herum echot. Die Restaurants servierten draussen an der Sonne und abends flanierten die Leute entlang dem Strand und im Hafen, wo auch ganze Familienclans fischten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auffallend, wie die meisten Leute mit ihren Mate-Tee-Utensilien unterwegs waren. Ganze Körbe werden – meist von der Frau – in der Gegend herumgetragen, damit man auch unterwegs an seinem Mate schlürfen oder sippen konnte. Wir beobachteten schon im Hotel, wie die einheimischen Gäste jeweils nach dem Frühstück sich am Buffet noch heisses Wasser in ihre Thermoskannen füllen liessen. Das stark koffeinhaltige Getränk scheint ein grosses Suchtpotential zu entwickeln. Meine persönlichen Geschmacksknospen auf der Zunge finden das unverständlich. Abends, bis spät in die Nacht sitzen die Leute in Gruppen, als Paar oder Familie auf der Strasse herum, hocken meist irgendwo am Boden auf Trottoirs oder unter Bäumen, dort wo auch die meisten herrenlosen Hunde…, na lassen wir das, diskutieren und schlürfen ihren Mate.

 

 

 

 

 

 

 

Auf den Stelen der Uferpromenade brüten die Vögel.

Am Samstagabend war im La Corniche jeweils Musik angesagt. Das sympathische Restaurant nennt sich gross Espacio Cultural Piriapolis. Der umtriebige Wirt lädt in den Wintermonaten junge Musiker, meist aus Argentinien ein, um ihnen eine Plattform zu geben. Er leistet sich sogar ein gedrucktes Programm. In dieser kulturell eher ausgetrockneten Gegend muss man sich selbst helfen. So gegen halb zehn versammelten wir Schifflifahrer uns am vorreservierten Tisch zum gemeinsamen Nachtessen und anschliessendem Musikge- manchmal auch verdruss.

 

 

 

 

 

 

 

Der Wirt hat in Paris Kunstgeschichte studiert und dort eine Vorliebe für «unseren» Giacometti entwickelt, wie sich unschwer an den WC-Türen erkennen liess. Er ist sicher eine Bereicherung für dieses doch etwas dekadente Touristenzentrum.

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Seelöwen genossen die Frühlingsstimmung und fläzten in der in der warmen Sonne.

 

 

 

 

 

 

 

Der Strand begann sich wieder zu beleben.

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeiten auf allen Schiffen kamen gut voran und so na dies na verliess ein Schiff um das andere den Hafen. Dada Tux Richtung Mar del Plata, Peter mit Lady Lay Richtung Kapstadt, ebenso Thomas mit seiner Morgaine eine Woche später. Kai verliess uns mit Getaway nach Buenos Aires, das wir ursprünglich auch ansteuern wollten. Zoomax ebenfalls Mar del Plata.

Peter sucht im Internet nach dem ultimativen Wetterfenster für seine Überfahrt nach Südafrika

Tschüss

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich kam auch KAMA* wieder in ihr Element zurück, brauchte aber noch etwas Erholung im Hafen.

 

 

 

 

 

 

 

Es war ja auch schön und gemütlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir waren auch gespannt auf unserer neue Banane und mussten diese ausprobieren…

…und tatsächlich, nach kurzem Tüfteln war das neue Boot einsatzbereit und liess sich problemlos im Hafen herumkutschieren.

Maramalda und Kamastern nahmen es gemütlich. Wir hatten noch so das eine und andere zu tun. Die Ankerkette wurde neu markiert, das AIS ersetzt und ein NAVTEX-Gerät eingebaut. Wir genossen den Frühling, schlenderten nochmals über den Markt und durch die Parks. Aber dann kam auch für uns der Moment, um Abschied zu nehmen. Bald wären wir hier eingebürgert worden.

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem üblichen Tamtam mit den Papieren der verschiedenen Ämter lösten wir die Leinen und fuhren – gemeinsam mit Maramalda – zum Hafen hinaus unserem nächsten Ziel, Mar del Plata in Argentinien, entgegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maramalda verlässt den Hafen und begibt sich auf den Weg zu neuen Abenteuern

 

 

 

 

 

und langsam verschwindet Piriàpolis und damit Uruguay im Kielwasser….

 

Und während wir nach Mar del Plata segeln, habt Ihr Zeit, Euch unter diesem Link noch einen kurzen Film anzuschauen. Viel Vergnügen!